Wenn sich der Weg wandelt – das Labyrinth im Winterschlaf
Manche Wege entstehen nicht, weil wir sie planen,sondern weil sie uns rufen
So wurde im Jahr 2020 dieses Labyrinth geboren. Nicht aus einem Konzept heraus, sondern aus einer inneren Bewegung. Aus einem Ruf, der Form annahm, mit unseren Händen, mit Hingabe, mit Vertrauen.
Eingebettet in die Natur, naturgetreu bepflanzt, der Weg aus Kies, entstand ein Ort der Begegnung. Viele Menschen sind ihn gegangen. In Stille. In Fragen. In Zeiten des Übergangs. Manche suchten Klarheit. Manche Abschied. Manche einfach einen Moment des Seins.
Mit der Zeit wurde das Labyrinth zu einem Raum, der getragen hat.
Es wurde zu einem Ort, an dem nicht nur Schritte über Kies gingen, sondern Lebenswege sichtbar wurden.
Zwei Paare haben hier geheiratet. Mit dem Himmel über sich und der Erde unter ihren Füssen standen sie im Kreis des Labyrinths und haben Ja gesagt, zum Leben, zur Liebe, zu einem neuen Anfang.
Auch zwei Kinder wurden hier willkommen geheissen. Behutsam in den Kreis getragen, umgeben von ihren Familien, gesegnet im offenen Raum der Natur. Die Kleinsten inmitten eines Weges, der für das Leben steht. Es waren stille, berührende Momente,voller Anfang, voller Vertrauen.
In solchen Augenblicken wurde deutlich, das Labyrinth war nie nur ein gestalteter Ort. Es war ein Stück Erde, das Menschen Raum gab, Übergänge bewusst zu gehen. Ein Platz, an dem man stehen, atmen und Ja sagen konnte, zum Leben, zur Liebe, zum Weitergehen.
Und dann, im Jahr 2024, kam eine unerwartete Wendung.
Aus einem Ort des Herzens wurde plötzlich eine Anzeige wegen unerlaubter Bautätigkeit. Von einem Menschen, dessen Name uns nicht genannt wird, der aber Teil unseres Wohnortes ist. Diese Erfahrung öffnete einen inneren Raum zwischen Ohnmacht, Traurigkeit und der stillen Frage nach dem Warum.
Wenn etwas, das aus der Tiefe gewachsen ist, in Frage gestellt wird, verändert sich nicht nur der Ort im Aussen. Es verändert auch etwas im Inneren.
Im Herbst standen wir vor einer klaren Realität, das Labyrinth vollständig zurückzubauen, oder einen neuen Weg zu finden.
Es war kein freiwillig gewählter Moment. Und doch ein Weg, der gegangen werden musste.
In dieser Zeit trat Gregor Furrer, Geschäftsleitungsmitglied und Mitinhaber der Paul Furrer AG in Sursee, auf mich zu. Ihn interessierte das Labyrinth und gleichzeitig reizte ihn die Möglichkeit, die neue Rasenrobotertechnologie in diesem besonderen Kontext zu erforschen. Für ihn und sein Team wird es zu einem Pilotprojekt. Ein gemeinsames Betreten von Neuland.
Als Familie entschieden wir uns, den Weg zu wandeln.
Wir entfernten den Kies. Füllten die Wege mit Humus. Säten neues Leben. Was im Aussen wie ein Rückbau aussah, war im Inneren ein Prozess des Loslassens. Ein Anerkennen dessen, was war. Und ein Vertrauen in das, was werden darf.
Nun liegt das Labyrinth im Winterschlaf.
Unter der Erde ruht die Kraft des Werdens. Mit dem Frühling wird der Rasen wachsen. Und mit ihm entsteht eine neue Qualität des Gehens. Der Weg wird weich sein. Lebendig. Spürbar. Barfuss begehbar. Jeder Schritt direkter verbunden mit der Erde.
Der Weg entsteht nicht mehr durch das Entfernen. Sondern durch achtsames Pflegen dessen, was wächst.
Gregor Furrer wird die Technologie des Rasenroboters entwickeln und fein abstimmen. Das Ziel ist, dass der Roboter mit zwei Schnitttiefen arbeitet, ausserhalb des Labyrinths bleibt das Gras höher, während der Weg selbst tiefer gemäht wird, genau in den Linien, die gegangen werden.
Es ist ein neues Kapitel.
Mit den neuen, weichen und lebendigen Flächen öffnet sich der Raum auf eine andere Weise. Sanfter. Empfangender. Getragen von der Erde selbst.
Was einst fest war, wird nun lebendig.
Und vielleicht ist das die tiefere Essenz dieses Ortes, dass Wandel nicht immer sanft anklopft. Manchmal tritt er unerwartet in unser Leben. Und lädt uns ein, tiefer zu vertrauen, als wir es zuvor konnten.
Das Labyrinth ist im Moment still. Und doch geschieht so viel.
Ich werde diesen Weg weiter begleiten und euch daran teilhaben lassen. Mit Bildern. Mit Momenten. Und vielleicht erinnert uns das Labyrinth an etwas, das wir alle kennen. Dass der Weg sich wandelt. Dass wir nicht immer wählen, was uns begegnet. Aber dass wir wählen können, wie wir weitergehen. Und dass jeder Winter bereits den Frühling in sich trägt.
Herzlich
Olivia Cornelia




















































